Schwer punkte —

Der Geist der Gemeinschaft

Gebet

Schwerpunkte

  • Der Hl. Johannes
  • Der Geist der Gemeinschaft
  • Die Ordensgelübde
  • Die drei Bünde
  • Drei Arten der Weisheit
  • Das Gebet
Der Hl. Johannes

Als Jesus seine Mutter unter dem Kreuz stehen sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Dann sagte er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. (vgl. ]oh 19, 25 27)

Johannes ist der geliebte Jünger, der Zeuge des geöffneten Herzens Jesu und der beschauliche Theologe. Als geliebter Jünger führt er uns zur besonderen Verbundenheit mit Jesus, als Zeuge der erlösenden Liebe Gottes zum Glauben, als Theologe zur Kontemplation des ewigen Wortes.

Johannes war der erste, der unter dem Kreuz Maria als Mutter empfangen durfte. Maria und die hl. Eucharistie sind die Quellen seiner innigen Nächstenliebe. In der Einheit von Nächstenliebe und Kontemplation wurzelt das Geheimnis seiner Heiligkeit. Diese Gnade ist der ganzen Kirche als kostbares Erbe geschenkt.

Die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft möchten in der Nachfolge Jesu Johannes als ihren Vater annehmen. Sie leben von den Schätzen, die, er uns durch seine Schriften eröffnet hat. Der Apostel fordert uns auf, in Gott zu bleiben, der das Licht und die Liebe ist, damit unsere Freude vollkommen werde.

Der Geist der Gemeinschaft

Die Weihe an die Hl. Dreifaltigkeit kann nur wirklich gelebt werden durch das Opfer Christi, des Hohenpriesters, der sich als Ganzopfer der Liebe des Vaters hingibt. Jedes Mitglied der Gemeinschaft will deshalb aus dem Priestertum Christi leben. Dieses kostbarste Geschenk seines Priestertums, das Christus seiner Kirche hinterlassen hat, wird ergänzt (nach Kol 1, 24) durch das königliche Priestertum der Gläubigen und das Amtspriestertum. Daher möchten alle, wie der hl. Johannes und mit ihm, in einem Leben nach dem Evangelium Jesus folgen bis zum Kreuz, wo der geliebte Sohn des Vaters sein priesterliches Werk vollendet. Aus diesem kontemplativen Priestertum leben heißt, zuerst alles im inneren Gebets von Gott zu empfangen. So können sie diese Liebe dann denen weitergeben, die danach dürsten. Dadurch verherrlichen sie den Vater und helfen den Menschen von heute, die Anbetung und die brüderliche Liebe wiederzuentdecken.

Jesus bittet den Vater für seine Apostel: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17, 17). In diesem Licht wollen die Brüder ihre Hingabe leben und brauchen deswegen eine fundierte intellektuelle Ausbildung. Wie Johannes möchten sie ihren Verstand in den Dienst der Liebe stellen und als treue Zeugen der Kirche dienen. Diese demütige Suche nach der Wahrheit reinigt den Intellekt und die Phantasie und trägt zur Reinigung des Herzens bei, die der Hl. Geist und Maria bewirken. Diese Reinigung ist notwendig, damit die Liebe frei wird und damit Jesus sie immer mehr an sich ziehen kann. „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht“ (Joh 3, 21).

Das Zweite Vatikanische Konzil wünschte eine Öffnung zur Welt hin. Daher umfasst die Ausbildung ein Philosophiestudium, um den Menschen, seine Finalität und seine Sehnsüchte besser zu verstehen. Die großen aktuellen Probleme, die sich dem Christen heute stellen, werden betrachtet. In unserer Welt gibt es viele Ideologien, oft atheistische, die das Abbild Gottes im Menschen entstellen und ihn hindern, seinen Intellekt in den Dienst der Liebe zu stellen. Die philosophischen Studien stehen ihrerseits im Dienst der theologischen Ausbildung; und die theologische Forschung stützt sich auf die Kenntnis des Wortes Gottes gemäß der kirchlichen Überlieferung der Kirchenväter und des hl. Thomas von Aquin. In dieser Weise soll das Geheimnis unseres Erlösers Jesus Christus in seiner Fülle und Aktualität vermittelt werden. Jedes Mitglied der Gemeinschaft will der Verpflichtung der Kirche nachkommen, das Erbe des Glaubens verständlich und überzeugend an die Menschen unserer Zeit weiterzugeben (vgl. Evangelii Nuntiandi, 3).

In diesem Sinne hat die Gemeinschaft die Johannesschule gegründet, deren Studiengang neben den Brüdern und Schwestern auch allen offen steht, die sich dafür interessieren. Hier soll die Weisheit in ihren drei Bereichen – Philosophie, Theologie und Mystik – unablässig vertieft werden.

Die Ordensgelübde

Fragen an P. Philippe

Woher kommen die Ordensgelübde?

Als die ersten Christenverfolgungen unter den Römern vorbei waren, begann für die Kirche eine neue Epoche. Man dachte neu über den reichen jungen Mann nach, der von Jesus wissen wollte, wie er am besten auf dem Weg der Heiligkeit vorankommen könne. „Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ war die Antwort Jesu. (Lk 18, 22)

Wer Jesus auf radikale Weise nachfolgen will, muss sich von all seinem Besitz lösen: Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen, Jesus und dem Geld (vgl. Mt 6, 24).

Außerdem darf er sich in reiner Liebe nur an Jesus binden.

Und um in den Fußspuren Jesu gehen zu können, muss er akzeptieren, dass ein Gesandter Christi ihm beständig den Weg zeigt, ihm sagt, wie er immer treuer sein kann. So hat die Kirche die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams definiert.

 

Sie sprechen oft vom „Geist“ der Gelübde …

Ja, denn es kommt auf die Art und Weise an, wie man sie lebt. Das Vollkommenste am Keuschheitsgelübde ist der Geist der Jungfräulichkeit. Unser Herz wird dann verwundbar durch die Liebe.

Durch den Geist der Jungfräulichkeit sind wir Jesus ganz nahe. Wir lieben alles, was er liebt, in seinem Licht und in der absoluten Reinheit seines Herzens.

 

Wie sind die Gelübde in der gegenwärtigen Erneuerung der Kirche zu verstehen?

Die Kirche wünscht heute meines Erachtens, dass wir die Gelübde mit größerer Innerlichkeit leben. Maria hilft uns, zu leben, was Jesus selbst gelebt hat. Jesus hat nicht die Gelübde gelebt, sondern ihren Geist. Er, der vollkommen ist, brauchte keine Gelübde. Sie sind ja nur ein Mittel, damit wir uns besser mit ihm vereinigen können durch die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.

Der Geist der Armut beseitigt alles, was uns hindern könnte, Jesus nahe zu sein. Er ist also Hüter des Geistes der Jungfräulichkeit.

Durch den Gehorsam schließlich bleiben wir nicht bei unserem eigenen Willen stehen, sondern leben, was unser Tun betrifft, ganz in der Sehnsucht, Jesus nahe zu sein. Die liebende Vereinigung mit dem Herzen Christi umfasst so unser ganzes Leben: unsere Freiheit, all unsere Entscheidungen, all unsere Beschäftigungen. Der Gehorsam ermöglicht uns, einzig und allein den Willen des Vaters zu erfüllen.

Es geht also darum, aus dem Geist der Jungfräulichkeit Christi zu leben und wie er nur auf den Vater und seine Liebe zu schauen. Wir sollen aus seinem Geist der Armut leben, einer freudigen Armut in der Krippe und einer schmerzhaften Armut am Kreuz: Die Armut hat sein ganzes Leben geprägt. „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8, 20). Diese Worte Jesu zeigen, wie sehr er die Armut gelebt hat, um ganz dem Willen des Vaters ergeben zu sein. „Gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2, 8). Durch seine absolute Hingabe offenbart er uns, dass der Wille des Vaters immer das Wichtigste für uns sein soll und unser ganzes Leben umfassen soll.

 

Haben die Gelübde in der Johannesgemeinschaft eine besondere Modalität?

Man müsste schauen, wie der hl. Johannes vom Hl. Geist und von Maria erzogen wurde. Er hatte nur den einen Wunsch, Jesu geliebter Jünger zu sein und seinen Herzenswünschen zu entsprechen.

Wir möchten diese Herzenseinheit von Jesus und Johannes leben. Sich nicht mit der Erfüllung einer Regel begnügen, sondern sich mit dem Lamm Gottes und seinem verwundeten Herzen vereinigen. Daher die Verbindung mit Paray-le-monial. Das verlangt einen beständigen Eifer des Willens, der Liebe, die keine Halbheiten erträgt und sich ganz hingibt. Das ist die Bedeutung der Gelübde.

 

Herkunft und Bedeutung des Ordenshabits 

Als erstes fällt bei den Brüdern und Schwestern sicherlich der Habit auf.

Er ist ein Zeichen, das verschiedene Fragen aufwerfen kann, vor allem: „Warum trägt man so einen Habit?“ „Warum sieht er so aus?“

Die Entscheidung, einen Ordenshabit zu tragen, geht auf die Anfänge der Gemeinschaft zurück. Die Kirche hat sich während des Zweiten Vatikanischen Konzils erneut für den Ordenshabit als „Zeichen der Weihe“ (Perfectae caritatis, 17) ausgesprochen. Darauf wollen die Brüder und Schwestern in Treue antworten. Der Habit ist ein Zeichen der Zugehörigkeit, das seinen Träger von anderen unterscheidet und ihn daran erinnert, dass er die Gemeinschaft, und damit die Kirche repräsentiert.

Wer einen Habit trägt, bezeugt, dass er sein Leben dem Reich Gottes geweiht hat. Wie der Habit den Körper ganz bekleidet, so umfängt die Weihe die ganze Person; wie man den Habit den ganzen Tag trägt, so gilt die Weihe für das ganze Leben.

Weil die Brüder eine „Dienst-Kleidung“ wollten, wählten sie, in leicht veränderter Form, den Arbeitshabit der Zisterzienser der Abtei Hauterive nahe bei Fribourg, wo sie oft hingingen.

Die drei Bünde

Die Mitglieder der Johannesgemeinschaft wollen die drei evangelischen Räte leben sowie den dreifachen Bund, der uns im Johannesevangelium offenbart wird:

  1. Der Bund mit Jesus in der Eucharistie, Quelle der Einheit zwischen stiller Anbetung und liturgischem Stundengebet. Diese Liturgie ist einerseits der monastischen Liturgie sehr ähnlich, andererseits ist sie vereinfacht, damit sie den Anforderungen des apostolischen Lebens gerecht wird und damit mehr Zeit für das gemeinsame stille Gebet bleibt.
  2. Der Bund mit Maria, Mutter und Hüterin des Wachstums im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe und somit göttliches „Milieu“ des kontemplativen Lebens. In diesem Bund mit Maria – da nahm sie der Jünger zu sich (Joh 19, 27) – gründet die Einheit der brüderlichen Liebe im gemeinsamen Leben.
  3. Der Bund mit Petrus, in einem kindlichen Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater, Nachfolger des hl. Petrus, und den Bischöfen. So können wir treu und tief aus der lebendigen Tradition der Kirche leben.
Drei Arten der Weisheit

Text in Arbeit

Das Gebet

Fragen an P. Philippe

Was ist das Gebet?

Jeder Mensch, der ein bisschen begreift, wer Gott ist, betet ihn an und vertraut ihm seine Schwierigkeiten an, seine Wünsche, die Tiefe seines Herzens, die man oft nicht in Worte fassen kann, wie das Seufzen des Hl. Geistes (vgl. Röm 8, 26). Alle Menschen gehören zu einer Familie und haben denselben Vater, der „seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten“ (Mt 5, 45).

 

Was macht das Gebet zu einem christlichen Gebet?

Jesus sagt uns: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet“ (Mt 7, 7). Er will, dass wir in unserem Herzen unablässig beten für alles, was unser Leben betrifft. Wir sollen ihm alles hinlegen und beständig seine Hilfe erbitten, denn er selbst hat gesagt: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15, 5). Das Gebet soll unser christliches Leben begleiten und umfangen, damit Jesus in uns gegenwärtig bleibt.

Jesus selbst gibt uns das zu verstehen, als seine Jünger ihn fragen, wie sie beten sollen: Er betet das „Vater unser“, das ist sehr ausdrucksstark. Er lehrt sie nicht nur „Vater“ sagen, sondern „Vater unser“ (Mt 6, 9). Jesus will also, dass wir mit ihm zusammen zu Gott blicken. Wir können nicht ohne ihn beten, wie ein kleines Kind nicht ohne seine Mutter beten kann, die ihm hilft, vor Gott zu treten. Wir erleben die Gegenwart Gottes im Glauben, in der Hoffnung und vor allem in der Liebe.

 

Was für eine Rolle spielt die Liturgie?

Das liturgische Gebet der Gemeinschaft ist einerseits der monastischen Liturgie sehr ähnlich. Andererseits ist es vereinfacht wegen den Anforderungen des apostolischen Lebens, bzw. in den Ausbildungshäusern wegen des Philosophie- und Theologiestudiums. Es soll genug Zeit für das gemeinsame stille Gebet bleiben.

Das Gebetsleben der Brüder ist auf die Eucharistie ausgerichtet, „in der die Liebe Gottes sich in Stille jedem und allen schenkt“ (Lebensregel). Im Glauben und in glühender Liebe möchten sie aus der Eucharistie leben.

Die Brüder bemühen sich um eine schlichte und schöne Liturgie, in der sich die demütige und arme Gegenwart Christi manifestieren kann.

 

Was ist das „Stille Gebet“?

Jedes christliche Gebet ist ein Erheben der Seele zu Jesus, der uns zu sich zieht. Das kann in ganz unterschiedlicher Weise geschehen, vom einfachen Bittgebet bis zur glühenden Sehnsucht danach, dass die Liebe Christi unser Herz ganz in Besitz nehmen möge. Ich glaube, der Durstschrei Jesu (Joh 19, 28) zeigt uns dieses tiefste Gebet des menschlichen Herzens, das zu seinem Vater, zu seiner Quelle kommen will.

Neben dem Bittgebet gibt es natürlich das Lob- und Dankgebet.

Und es gibt das ganz innerliche Gebet des Freundes, der seinen Freund trifft und ihm seine Geheimnisse, seine Leiden und Schwierigkeiten anvertraut. In absolutem Vertrauen akzeptiert und erwartet er alles von dem, der mehr ist, als ein Freund, der die Quelle von allem ist. Dieses innere Gebet, diesen direkten Kontakt der Seele mit Jesus nennen wir „Stilles Gebet“.

Der hl. Thomas von Aquin bezeichnet das stille Gebet „Hochzeit der Seele mit Jesus“. Es ist eine große Vertrautheit mit dem Freund, der uns erwählt hat; eine Antwort auf seinen Ruf, auf seine Liebe.

So wird das Gebet – im Glauben – zum Ort der Liebe und der Freundschaft zum Herzen Christi. Unser Herz möchte aus dem Herzen Christi leben, aus seiner Liebe zum Vater, zum Hl. Geist, zu Maria und zu all jenen, die uns durch Gottes Vorsehung nahe sind.

 

Wo ordnen Sie das Gebet des Ordenschristen ein?

Wer sich ganz Gott geweiht hat, übt ein tiefes inneres Gebet. Aber das ist nicht für den Mönch reserviert: Christen in der Welt leben auch aus dem inneren Gebet, manchmal sogar mehr als manche Mönche. Die Gebetsweisen hängen keineswegs vom unterschiedlichen Lebensstand der Laien und der Ordensleute ab. Je mehr sich das göttliche Leben – Glaube, Hoffnung und Liebe – in uns entwickelt, umso innerlicher werden wir, weil wir immer mehr in der Gegenwart Jesu leben. Echtes Gebet bedeutet, das Herz Jesu zu entdecken, bei ihm zu bleiben und aus ihm zu leben.

Eine Ordensgemeinschaft lebt auch aus dem liturgischen Gebet, dem Lobpreis der Psalmen, welche die Mönche regelmäßig singen. Sie bringen so die ganze Menschheit zu Jesus, damit sie sich Gott, ihrem Vater und Erlöser nähert und ihn öffentlich anerkennt.

 

Wie sieht das Gebet der Johannesbrüder und –schwestern aus?

Sie bitten den hl. Johannes, ihr Vater zu sein, weil sie ganz treu in der Liebe sein wollen, wie Johannes es uns in seinem Evangelium zeigt: Während des Abendmahls nimmt Jesus Johannes ganz nah zu sich (vgl. Joh 13, 23). Johannes kann in großer Vertrautheit seinen Kopf an Jesu Brust, an sein Herz legen.

Die Vertrautheit mit Christus hebt uns ein bisschen heraus aus der Zeit: Im Gebet berühren wir die ewige Liebe des Sohnes zum Vater.