Br. Alain-Marie d´Avout – 8. Dezember 1975
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der St. Johannesgemeinschaft drängt sich oft die Frage nach dem wahren Grund für das Wunder ihrer Entstehung und ihrer anschließenden Entwicklung auf.
Was mich betrifft- ich bin im Oktober 1971 in Freiburg ( Schweiz ) angekommen. Der Einladung von Pater Marie-Dominique Philippe folgend, den ich dank der Vorsehung auf der Hochzeit eines Cousins traf, begann ich mein Philosophiestudium in Freiburg. Ich glaube, es war seine Art, die hl. Messe zu feiern, warum ich ihn nachher in der Sakristei ansprach, um ihn um einen Gesprächstermin zu bitten. Durch die darauf folgenden Gespräche mit ihm kam ich bald zur Überzeugung, dass das Philosophiestudium in Freiburg für mich die beste Vorbereitung für einen späteren Eintritt ins Ordensleben sei.
Nach dem 3. Studienjahr an der Universität beschloss ich gemeinsam mit vier anderen Studenten, die ebenfalls der Einladung von Pater Marie-Dominique folgten, den begonnen Weg fortzusetzen. Es gab aber auch noch einen anderen Grund, der mich in meiner Entscheidung bestärkte: Pater Mossu, Vikar der Kathedrale von Versailles und ein guter Bekannter von Pater Marie-Dominique Philippe, wurde von seinem Bischof nach Freiburg gesandt, um dort sein Doktorat in Theologie zu erlangen. Sowohl um unsere Quartierkosten zu senken als auch zur Vereinfachung unseres Studien – und Gebetslebens beschlossen wir, zusammenzuziehen und uns um Pater Mossu zu sammeln.
Bei unserer Suche nach einem geeigneten Rahmen für unser Leben folgten wir während dieser Jahre Pater Mossu (heute als Pater Philippe-Marie bekannt und derzeit Prior unseres Hauses in Troussure).
Kurze Zeit später fanden wir das „Pensionat von Pater Girard“, das allen unseren Bedürfnissen entsprach. Dazu wurde uns noch Schwester Marie-Madeleine aus dem Kloster der Heimsuchung zur Seite gestellt, die nicht nur unsere Köchin, sondern unser aller „Mutter“ war.
Nach unserer Rückkehr aus den Sommerferien entdeckten wir alle von neuem die Persönlichkeit von Pater Mossu, der uns aufgrund seiner Erscheinung, seines Eifers und seiner Studien beeindruckte. Nur mit einigen Schwierigkeiten konnte er in den folgenden Jahren unseren wenig disziplinierten studentischen Lebensstil akzeptieren. Und in der Tat bedurfte es einiger Zeit, um den Übergang von unserem (manchmal sogar frommen) Studentenleben zum gemeinschaftlichen Ordensleben zu finden. Keiner von uns dachte damals daran, dass wir jemals miteinander eine Ordensgemeinschaft bilden könnten. Wir wählten dieses gemeinsame Leben nur, um unser Studentenleben zu vereinfachen und um uns gegenseitig in der Antwort auf unsere Berufung zu unterstützen. Jeden Morgen nach dem stillen Gebet, den Laudes und der Heiligen Messe brachen wir gemeinsam zur Universität auf, kehrten zu Mittag für eine kurze Mahlzeit zurück, um dann bis zum Abend wieder an der Universität zu bleiben. Den Tag beendeten wir gemeinsam mit dem stillen Gebet, der Vesper und dem Abendessen.
Wir alle begeisterten uns sehr für Pater Marie-Dominique Philippe und seinen Unterricht. Er gab nicht nur eine Vielzahl von Vorlesungen und Kursen an der Universität, sondern er begann uns auch jede Woche in unserem Haus zu besuchen.
Am Ende des ersten Trimesters beschlossen wir, Pater Marie – Dominique Philippe zu seinen Exerzitien, die er für die Mönche der Zisterzienserabtei von Lérins predigte, zu begleiten. Wir wollten diese Zeit auch zur Entspannung nützen. Dort erlebten wir sehr beeindruckende Exerzitien, die die Mönche mit ihrer Weihe an Maria am 8. Dezember beenden wollten. Dank der Bemühung von Pater Philippe-Marie beschlossen wir unter uns Studenten ein Treffen in der kleinen Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit, um unsere Gruppe der Jungfrau Maria anzuvertrauen. Wir alle waren von der darauf folgenden Zeremonie tief berührt, wobei wir Maria die Zukunft jedes einzelnen von uns anvertrauten und ihr das volle Recht überließen, über uns nach ihrem Wohlgefallen zu walten
(gemäß dem Weiheakt des heiligen Ludwig Maria Grignon von Monfort an die heiligen Jungfrau Maria).
Kurze Zeit später entdeckten wir, dass Papst Paul VI. am selben Tag das Apostolische Schreiben „Evangelii nuntiandi“ veröffentlichte.
Die ersten Schritte der zukünftigen St. Johannesgemeinschaft waren von diesem Schreiben stark geprägt, nicht zuletzt dank Pater Philippe-Marie, der uns dieses päpstliche Dokument ausführlich kommentierte.
Bei unserer alljährlichen Rückkehr am 8. Dezember in das Kloster von Lérins verstanden wir immer mehr, dass unsere Gemeinschaft an diesem Ort geboren wurde. Denn ausgehend von unserem Weiheakt an Maria begann auch die Leitung unserer Gemeinschaft durch Pater Marie-Dominique Philippe.
Da wir uns seit dem Weihetag am 8. Dezember 1975 unter der Führung von Pater Marie- Dominique Philippe vollkommen den Händen Mariens überließen, war es für sie auch möglich, dieses Wunder der St. Johannesgemeinschaft zu wirken.
Wie könnten wir die mütterliche Gegenwart der Jungfrau Maria je vergessen, nachdem wir die Macht ihrer Fürsprache erfahren haben.