Die Ordensgelübde

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Das Leben in der Gemeinschaft


Fragen an P. Philippe

 

Woher kommen die Ordensgelübde?

Als die ersten Christenverfolgungen unter den Römern vorbei waren, begann für die Kirche eine neue Epoche. Man dachte neu über den reichen jungen Mann nach, der von Jesus wissen wollte, wie er am besten auf dem Weg der Heiligkeit vorankommen könne. „Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ war die Antwort Jesu. (Lk 18, 22)

Wer Jesus auf radikale Weise nachfolgen will, muss sich von all seinem Besitz lösen: Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen, Jesus und dem Geld (vgl. Mt 6, 24).

Außerdem darf er sich in reiner Liebe nur an Jesus binden.

Und um in den Fußspuren Jesu gehen zu können, muss er akzeptieren, dass ein Gesandter Christi ihm beständig den Weg zeigt, ihm sagt, wie er immer treuer sein kann. So hat die Kirche die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams definiert.

 

Sie sprechen oft vom „Geist“ der Gelübde …

Ja, denn es kommt auf die Art und Weise an, wie man sie lebt. Das Vollkommenste am Keuschheitsgelübde ist der Geist der Jungfräulichkeit. Unser Herz wird dann verwundbar durch die Liebe.

Durch den Geist der Jungfräulichkeit sind wir Jesus ganz nahe. Wir lieben alles, was er liebt, in seinem Licht und in der absoluten Reinheit seines Herzens.

 

Wie sind die Gelübde in der gegenwärtigen Erneuerung der Kirche zu verstehen?

Die Kirche wünscht heute meines Erachtens, dass wir die Gelübde mit größerer Innerlichkeit leben. Maria hilft uns, zu leben, was Jesus selbst gelebt hat. Jesus hat nicht die Gelübde gelebt, sondern ihren Geist. Er, der vollkommen ist, brauchte keine Gelübde. Sie sind ja nur ein Mittel, damit wir uns besser mit ihm vereinigen können durch die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.

Der Geist der Armut beseitigt alles, was uns hindern könnte, Jesus nahe zu sein. Er ist also Hüter des Geistes der Jungfräulichkeit.

Durch den Gehorsam schließlich bleiben wir nicht bei unserem eigenen Willen stehen, sondern leben, was unser Tun betrifft, ganz in der Sehnsucht, Jesus nahe zu sein. Die liebende Vereinigung mit dem Herzen Christi umfasst so unser ganzes Leben: unsere Freiheit, all unsere Entscheidungen, all unsere Beschäftigungen. Der Gehorsam ermöglicht uns, einzig und allein den Willen des Vaters zu erfüllen.

Es geht also darum, aus dem Geist der Jungfräulichkeit Christi zu leben und wie er nur auf den Vater und seine Liebe zu schauen. Wir sollen aus seinem Geist der Armut leben, einer freudigen Armut in der Krippe und einer schmerzhaften Armut am Kreuz: Die Armut hat sein ganzes Leben geprägt. „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8, 20). Diese Worte Jesu zeigen, wie sehr er die Armut gelebt hat, um ganz dem Willen des Vaters ergeben zu sein. „Gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2, 8). Durch seine absolute Hingabe offenbart er uns, dass der Wille des Vaters immer das Wichtigste für uns sein soll und unser ganzes Leben umfassen soll.

 

Haben die Gelübde in der Johannesgemeinschaft eine besondere Modalität?

Man müsste schauen, wie der hl. Johannes vom Hl. Geist und von Maria erzogen wurde. Er hatte nur den einen Wunsch, Jesu geliebter Jünger zu sein und seinen Herzenswünschen zu entsprechen.

Wir möchten diese Herzenseinheit von Jesus und Johannes leben. Sich nicht mit der Erfüllung einer Regel begnügen, sondern sich mit dem Lamm Gottes und seinem verwundeten Herzen vereinigen. Daher die Verbindung mit Paray-le-monial. Das verlangt einen beständigen Eifer des Willens, der Liebe, die keine Halbheiten erträgt und sich ganz hingibt. Das ist die Bedeutung der Gelübde.
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Herkunft und Bedeutung des Ordenshabits 

Habit

Habit

 

Als erstes fällt bei den Brüdern und Schwestern sicherlich der Habit auf.

Er ist ein Zeichen, das verschiedene Fragen aufwerfen kann, vor allem: „Warum trägt man so einen Habit?“ „Warum sieht er so aus?“

Die Entscheidung, einen Ordenshabit zu tragen, geht auf die Anfänge der Gemeinschaft zurück. Die Kirche hat sich während des Zweiten Vatikanischen Konzils erneut für den Ordenshabit als „Zeichen der Weihe“ (Perfectae caritatis, 17) ausgesprochen. Darauf wollen die Brüder und Schwestern in Treue antworten. Der Habit ist ein Zeichen der Zugehörigkeit, das seinen Träger von anderen unterscheidet und ihn daran erinnert, dass er die Gemeinschaft, und damit die Kirche repräsentiert.

Wer einen Habit trägt, bezeugt, dass er sein Leben dem Reich Gottes geweiht hat. Wie der Habit den Körper ganz bekleidet, so umfängt die Weihe die ganze Person; wie man den Habit den ganzen Tag trägt, so gilt die Weihe für das ganze Leben.

Weil die Brüder eine „Dienst-Kleidung“ wollten, wählten sie, in leicht veränderter Form, den Arbeitshabit der Zisterzienser der Abtei Hauterive nahe bei Fribourg, wo sie oft hingingen.
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